Nein zur LehrerInnen-Bewertungs-App “Lernsieg”!

Die neue LehrerInnen-Bewertungs-App „Lernsieg“ steht seit ihrem Bekanntwerden in der Kritik – so sehr, dass sie zwischenzeitlich sogar offline genommen wurde. Auch die FSG-LehrerInnengewerkschaft lehnt die App in ihrer jetzigen Form ab. Bedenken gibt es vor allem hinsichtlich der Persönlichkeitsrechte der Bewerteten und hinsichtlich des Datenschutzes.

 „Weder Schülerinnen und Schüler noch Lehrerinnen und Lehrer werden von der App ‚Lernsieg‘ profitieren. In anderen Branchen sind ähnliche Bewertungsmodelle, zum Beispiel Docfinder, bereits durchaus üblich, führen aber in vielen Fällen zu schwerwiegenden Problemen, wie zum Beispiel Fake-Bewertungen und Rechtsstreitigkeiten“, sagt Patricia Gsenger, FSG-Personalvertreterin der AHS-LehrerInnen.

„Schule und Unterricht sind nicht vergleichbar mit einer Taxifahrt, einem Hotelaufenthalt oder einem Restaurantbesuch. Ziel einer Feedbackkultur ist es, Problemfelder aufzuzeigen und gemeinsame Lösungen zu suchen. Dies bedingt eine Vertrauensbasis und gehört daher grundsätzlich nicht an die Öffentlichkeit“, ergänzt Karin Medits-Steiner, FSG-Personalvertreterin für die Wiener PflichtschullehrerInnen.

Das Problem: Grundsätzlich ermöglicht es die App „Lernsieg“ jeder und jedem, eine Bewertung abzugeben. Es wird lediglich eine Telefonnummer überprüft, allerdings nicht, ob diese Person SchülerIn der Lehrperson oder Schule ist, die bewertet werden soll. Mit dieser App wird einem breiten und undefinierten Publikum – etwa auch Eltern, Verwandten oder FreundInnen von SchülerInnen – ermöglicht, Kritik und Frustration über einzelne Lehrpersonen oder die Schule einfach per Klick anonym öffentlich auszutragen. Damit eröffnet „Lernsieg“ einzelnen Personen oder (politischen) Gruppierungen Tür und Tor für gezielten Missbrauch. Der dadurch entstehende Schaden für einzelne Personen oder auch Schulen ist derzeit noch nicht abschätzbar. Dass sich zahlreiche Problemfelder auftun werden – zum Beispiel Eltern, die aufgrund einer schlechten Sterne-Bewertung eine andere Lehrperson für ihr Kind fordern – erscheint aber unausweichlich.

Weiters haben ExpertInnen Bedenken in Bezug auf die Datenschutzkonformität der App geäußert. Die Namen der LehrerInnen wurden ohne deren Zustimmung von den Schulwebseiten in die Bewertungs-App aufgenommen. Thomas Bulant, FSG-Vorsitzender der Gewerkschaft der PflichtschullehrerInnen, dazu: „Lehrerinnen und Lehrer haben nichts zu verheimlichen. Sie befürworten eine schulische Feedback-Kultur, die auf Schulpartnerschaft und ihrer Beziehungsarbeit aufbaut. Wir treten in diesem Sinne dafür ein, dass diese App einer juristischen Prüfung unterzogen wird, damit Datenschutz und Persönlichkeitsrechte unverletzt bleiben“.

Wertschätzende und qualitätsvolle Feedbackmöglichkeiten werden außerdem bereits jetzt im Schulbereich eingesetzt, weiß Pascal Peukert, FSG-Personalvertreter der BMHS-LehrerInnen: „Es gibt seit Jahren sowohl für Lehrkräfte und Schulleitungen als auch für Schülerinnen und Schüler standardisierte, funktionierende Feedbackinstrumente, die im Rahmen der Qualitätssicherung entwickelt wurden und auch regelmäßig eingesetzt werden. Viele Lehrerinnen und Lehrer verwenden zusätzlich zur Optimierung ihrer Zusammenarbeit mit Schülerinnen und Schülern auch persönliches individuelles Feedback.“

Zusammengefasst:

  • Feedback ist wichtig, aber nicht so. In dieser Form ist die App inakzeptabel.
  • LehrerInnen müssen vor derlei öffentlicher Zurschaustellung geschützt werden.
  • Es stellt sich die Frage, ob die App überhaupt datenschutzkonform ist.
  • Es gibt bereits eine wertschätzende und qualitätsvolle Feedbackkultur an Schulen.

Wir fordern das Bildungsministerium daher auf, gemeinsam mit der Gewerkschaft Schritte einzuleiten, um Lehrpersonen davor zu schützen, an den „digitalen Pranger“ gestellt zu werden. Darüber hinaus ist zu prüfen, ob die Bewertungs-App „Lernsieg“ überhaupt den rechtlichen Rahmenbedingungen entspricht.

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