topimage
Fraktion Sozialdemokratischer GewerkschafterInnen
Logo FSG Wien
Facebook

Nicht jeder Beruf ist auf Zuruf auch ein Mangelberuf

Wenn es darauf ankommt, dann geht die FPÖ vor der Wirtschaft offensichtlich in die Knie

Nur wenige Tage nach ihrem Amtsantritt verkündete die neue Regierung überfallsartig, den Beschäftigungsbonus und die Aktion 20.000 vorzeitig auslaufen zu lassen. Und jetzt will die Regierung auch noch die Schleusen für Fachkräfte aus Drittstaaten für noch mehr Mangelberufe öffnen. Dieses Vorhaben, aber vor allem die Mangelberufsliste zu regionalisieren, bezeichnet SPÖ-Sozialsprecher Josef Muchitsch „als nächsten unüberlegten Schnellschuss von Schwarz-Blau“. „Eine Regionalisierung würde innerhalb weniger Wochen zu einer ca. Verdreifachung der Mangelberufe führen und zu mehr Zuwanderung aus Drittstaaten, wie der Ukraine, Russland, und Serbien führen. Wir haben jetzt schon am österreichischen Arbeitsmarkt durch die EU-Dienstnehmerfreizügigkeit mit Lohn- und Sozialdumping zu kämpfen.

Kniefall vor Wirtschaft und Industrie

Damit zeigt aber vor allem die FPÖ ihre wahre Gesinnung als selbsternannte "Heimatpartei". Bei der Einführung der Rot-Weiß-Rot-Card sprach ihr damaliger Generalsekretär und heutiger Innenminister Herbert Kickl nämlich noch von „organisierter Zuwanderung“ und von einer „Afrika-Karte“ zur Einschleusung von Billigarbeitskräften aus Drittstaaten im Interesse der Großkonzerne. Aber wenn es nun darauf ankommt, dann geht die FPÖ vor der Wirtschaft und Industrie offensichtlich in die Knie und öffnet die Schranken weiter für mehr Billigarbeitskräfte aus dem Ausland, während gleichzeitig die Aktion 20.000 ausgesetzt beziehungsweise de facto abgeschafft wird. "Den älteren Langzeitarbeitslosen im Land raubt sie damit endgültig die Chance auf Arbeit und ein eigenes Einkommen“, kritisiert ÖGB-Präsident Erich Foglar. Die Regierung könnte laut Medienberichten zufolge planen, anlässlich ihrer Klausur Anfang Jänner 2018 die Mangelberufe weiter auszuweiten.
 
„Anstatt immer wieder über Fachkräftemangel zu jammern oder zu versuchen, für selbstgemachte Probleme andere Schuldige zu finden, sollten einige Betriebe lieber die Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen in ihrer Branche verbessern“, sagt Foglar und warnt: „Nicht jeder Beruf ist auf Zuruf von Teilen der Wirtschaft auch ein Mangelberuf.“

Angebot muss schlicht und einfach passen
 
In Deutschland hätten Untersuchungen gezeigt, dass beispielsweise FriseurInnen ihre Arbeitskraft nicht als FriseurInnen zur Verfügung stellen, wenn die Arbeitsbedingungen und das Lohnniveau nicht passen. Von einem echten Mangelberuf könne aber keine Rede sein. „Man sollte eigentlich meinen, dass die Wirtschaft die Logik von Angebot und Nachfrage kennt und weiß, dass wenn das Angebot knapp wird, aus welchen Gründen auch immer, man tiefer in die Tasche greifen muss“, sagt Foglar. Das treffe im Übrigen auch auf die Regionalisierung zu: Wenn man aus dem Osten jemanden bewegen wolle, in den Westen zu ziehen – oder umgekehrt, was oft mit hohen Übersiedlungskosten verbunden sei, dann müsse das Angebot „auch schlicht und einfach passen“, so der ÖGB-Präsident. 

Hausaufgaben in Sachen Personalplanung machen
 
Zudem hätten einige Wirtschaftsbetriebe es scheinbar verabsäumt, ihre Hausaufgaben in Sachen Personalplanung zu machen. Innerhalb von nur einem Jahrzehnt (2006 bis 2016) ist die Anzahl der Lehrbetriebe um ein Viertel oder fast 10.000 Lehrbetriebe gesunken. „Wenn sich Betriebe nicht rechtzeitig um die Ausbildung ihrer benötigten Fachkräfte kümmern, dann dürfen sie sich auch nicht wundern, wenn ihnen die Konkurrenz, die Lehrlinge ausbildet, um Nasenlängen voraus ist“, sagt Foglar. Die Ausweitung der Mangelberufsliste würde die Probleme einzelner Branchen oder Betriebe jedenfalls nicht lösen, ganz im Gegenteil: Es sei mit einer weiteren Verschlechterung der Arbeitsbedingungen und mit Lohndumping zu rechnen.

Teilen |